Am 17.06.2011 jährte sich wieder der Jahrestag des Aufstandes in der DDR. In Dresden gibt es seit einigen Jahren ein Denkmal in Form einer Panzerkette, dass an diesen Tag erinnern soll. Neben diesem Denkmal fand auch dieses Jahr wieder ein offizieller Gedenkakt der Landeshaupstadt Dresden statt.
Die Szenerie der diesjährigen Gedenkveranstaltung erinnerte jedoch bedrückend an jene Bilder, die sich jährlich am 13. Februar auf dem Heidefriedhof abspielen. Die Veranstaltung wurde massiv durch Neonazis dominiert. Circa 50 Nazis, darunter viele bekannte Gesichter, wie fast die gesamte Landtagsfraktion einschließlich Mitarbeiter, nahmen an der Gedenkveranstaltung „teil“. Diese gruppierten sich, nachdem sie geschlossen vom Landtag zum Postplatz marschierten, um die anwesenden Bürgerinnen und Bürger, die Mitglieder des Stadtrates und des Landtags, die gegenüber den Nazis eine zahlenmäßige Minderheit waren. Die zahlenmäßige Überlegenheit wurde noch dadurch verstärkt, dass die Nazis wieder ihre eigenen Sicherheitsleute mitgebracht hatten, die mit Knopf im Ohr um die Veranstaltung verteilt standen und nach potentiellen „Störern“ Ausschau hielten.
Dass der Jahrestag des Aufstandes in der DDR für die Nazis eine wichtige Rolle spielt, mag vielen Menschen erst auf dem zweiten Blick erklärbar sein. Hier trifft sich im Begründungszusammenhang des Antikommunismus der Neonazis mit einer herbeikonstruierten Teleologie. Die Nazis konstruieren sich die Erklärung, warum sie am 17. Juni der Opfer des Aufstandes gedenken damit, dass diese schließlich den Kommunismus bekämpfen wollten und bringen sich selbst in eine für sie vermeintlich logische Nachfolgeposition. Dabei wird das totalitäre System der Sowjetunion mit der Europäischen Union gleichgesetzt. Mit ihrer antieuropäischen Ideologie sehen sich die Nazis ebenfalls als Kämpfer gegen ein unterdrückendes totalitäres System. Diese Herbeikonstruierung führt dazu, dass der 17. Juni für die Nazis zunehmend ein fester Tag im Terminkalender ist, den sie ideologisch unterfüttert haben.
Auf diese Instrumentalisierung wies der einzige Redner der Gedenkveranstaltung, Dresdens zweiter Bürgermeister mit klaren Worten hin und warnte davor, dass die Neonazis diesen Tag zunehmend für sich vereinnahmen. Leider fand Sittel aber keine klaren Worte gegenüber den auf der Gedenkveranstaltung anwesenden Nazis, sondern blieb in seiner Rede abstrakt.
Das Gesamtbild einer Veranstaltung, bei der die Nazis die Mehrheit bilden und durch ihr Auftreten ihre Dominanz klar zu Schau stellen, ist uns im Zusammenhang mit einer wieder einmal mit der Situation überfordert wirkenden Stadtspitze vom Heidefriedhof ausreichend bekannt. Dass die Nazis zahlreich zu dieser Veranstaltung kommen werden, muss der Stadt nach dem letzten Jahr klar gewesen sein. Um ein klares Zeichen zu setzen, waren bei der Veranstaltung auch zu wenige Demokratinnen und Demokraten anwesend. Wenigstens hatte das Staatsschauspiel in bewährter Manier, wieder das große Transparent „Unser Dresden: Kein Platz für Nazis aufgehängt“, diesmal hatte es auch einen klaren örtlichen Zusammenhang.
Die Stadt muss einiges dafür tun, dass sich diese Bilder in Zukunft nicht wiederholen. Die entstandenen Bilder – von vielen Nazis, die faktisch die Veranstaltung dominieren – sind jene, die die Nazis wollen und für sich benötigen um sie ideologisch auszuschlachten. Der Sinn einer Gedenkveranstaltung, die durch die Anwesenheit zahlreicher bekannter Neonazis und deren Auftreten in ihrem Anliegen faktisch ad absurdum geführt wird, muss eingehend hinterfragt werden.
Einen zweiten Heidefriedhof kann und darf sich die Stadt nicht leisten.