Archiv für März 2010

Dresdens Mythos und die Bücherverbrennungen

Dienstag, 09. März 2010

Wenn man Menschen in Dresden fragen würde, was sie mit dem 08. März verbinden, so vermute ich, würde zwar ein gewisser Anteil zumindest wissen, dass an besagtem Tag Frauentag ist, dies ist zunächst sehr löblich, dass aber der 08. März der Jahrestag der nationalsozialistischen Bücherverbrennungen in Dresden ist, scheinen die wenigsten verinnerlicht zu haben.

Gestern fand also dementsprechend eine Gedenkveranstaltung am Ort jener Bücherverbrennung des 08.03.1933 am Wettiner Platz statt.  Hier wurden 1933,  nach der Erstürmung der dortigen Volksbuchhandlung durch die SA, Bücher und Zeitungen verbannt. Eine kleine Tafel am Gebäude Wettiner Platz 10 erinnert bis heute daran.  Das Datum der Dresdner Bücherverbrennungen, welches deutlich vor den deutschlandweiten Bücherverbrennungen am 10. Mai 1933 liegt, zeigt, dass Dresden, entgegen des Mythos der unschuldigen Kulturstadt, in manchen Aktionen sogar Vorreiter des Nazionalsozialistischen Terrorregimes war.

Vielen Menschen in Dresden scheint dies nicht bewusst zu sein oder sie haben es verdrängt. Anders ist kaum zu erklären, dass gestern nur ca. 30 Menschen den Weg zur Gedenkveranstaltung am Wettiner Platz fanden. Ich hoffe sehr, dass es in Zukunft deutlich mehr werden.  Dresden muss endlich lernen seine Geschichte so zu sehen, wie sie war.